Stand: Oktober 2026
Ob die vorhandenen Winterreifen noch eine Saison taugen, entscheiden Profiltiefe, Alter und Zustand. Die gesetzliche Mindestgrenze ist dafür zu niedrig angesetzt.
Winterreifen sollten ersetzt werden, sobald das Profil unter vier Millimeter fällt, die Reifen älter als etwa zehn Jahre sind oder Schäden zeigen. Gesetzlich erlaubt sind 1,6 Millimeter, doch die Sicherheitsreserve ist dann auf Nässe und Schnee deutlich geringer. Liegen die Reifen darüber und sind intakt, genügt der normale Räderwechsel.
Radwechsel und Reifenwechsel unterscheiden
Im Alltag werden zwei Vorgänge vermischt. Beim Radwechsel werden komplette Räder gewechselt, also Reifen samt Felge: Sommer runter, Winter rauf. Beim Reifenwechsel zieht die Werkstatt die alten Reifen von der Felge und montiert neue, anschließend werden die Räder am Fahrzeug befestigt.
Wer ohnehin neue Winterreifen braucht, bestellt also den Reifenwechsel, wer nur die vorhandenen Räder umstecken möchte, den günstigeren Radwechsel. Der Radwechsel lässt sich bei ausreichender Erfahrung auch selbst durchführen, Continental erklärt die Schritte ausführlich.
Profiltiefe: 1,6 Millimeter sind das Minimum, nicht das Ziel
Die Profiltiefe gibt an, wie tief die Rillen im Reifen noch sind. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter. AUTO BILD empfiehlt bei Winterreifen mindestens vier Millimeter, und auch der ÖAMTC hat in Tests gezeigt, dass die Sicherheit unterhalb von vier Millimetern rapide abnimmt. Bei weniger Profil verzahnen sich die Profilblöcke nicht mehr wirksam mit dem Schnee, außerdem sinkt die Bremsleistung auf nasser Fahrbahn und das Aquaplaning-Risiko steigt. Aquaplaning bedeutet, dass der Reifen auf einem Wasserfilm aufschwimmt und kaum noch Grip hat.
Gemessen wird mit einem Profiltiefenmesser. Zusätzlich sitzen im Profil sogenannte Abnutzungsindikatoren (englisch Tread Wear Indicators, kurz TWI), kleine Stege in den Rillen, die bei 1,6 Millimetern bündig mit der Lauffläche abschließen.
Alter: Die DOT-Nummer verrät es
Die DOT-Nummer ist eine Kennung an der Reifenflanke. Ihre letzten vier Ziffern nennen Produktionswoche und -jahr: Die Zahl 2119 steht für die 21. Kalenderwoche 2019. Continental empfiehlt, Reifen nach spätestens zehn Jahren zu ersetzen, unabhängig vom Zustand. AUTO BILD rät, Reifen nicht länger als elf Jahre zu nutzen. Gibt der Fahrzeughersteller eine kürzere Frist vor, gilt diese.
Bei gebrauchten Winterreifen ist der ADAC strenger und empfiehlt, nur Reifen zu kaufen, die nicht älter als drei Jahre sind.
Zustand: Schäden sind ein Ausschlusskriterium
Risse, Beulen oder Schnitte in der Seitenwand führen zu einem Austausch, egal wie tief das Profil ist. Auch ein während der Fahrt beschädigter Reifen gehört ersetzt. Wer Reifen tauscht, sollte das Reserverad auf Alterung und Schäden prüfen.
Kosten im Vergleich
Beim reinen Radwechsel fällt nur die Arbeitsleistung der Werkstatt an. Neue Reifen verursachen zusätzlich den Reifenpreis, wie das Beispiel Michelin Alpin 7 in 205/55 R16 91H am 9. Oktober 2026 zeigt: Vier Reifen kosten bei CHECK24 417,96 Euro, bei reifen.com 449,12 Euro und bei ReifenDirekt 451,80 Euro, jeweils ohne Montage. CHECK24 war in diesem Vergleich der günstigste Anbieter.
Im CHECK24 Reifenshop lassen sich die Reifen an eine Werkstatt liefern und die Montage direkt im Bestellprozess mitbuchen. Der angezeigte Festpreis enthält Aufziehen, Auswuchten und den RDKS-Service, sofern vorhanden.
Wann der Kauf sinnvoll ist
AUTO BILD rät, sich schon Ende September oder Anfang Oktober um neue Winterreifen zu kümmern. Dann sind die Preise wegen der noch geringen Nachfrage oft günstiger. Wer bis zum ersten Schnee wartet, findet häufig ausverkaufte Größen und volle Werkstattkalender.
Häufige Fragen
Wie lange halten Winterreifen?
Das hängt von Modell, Größe und Fahrweise ab. In der Kleinwagengröße 185/65 R15 prognostiziert der ADAC im Winterreifentest 2026 im Mittel rund 31.000 Kilometer. Unabhängig von der Laufleistung gelten die Altersgrenzen von etwa zehn Jahren.
Reicht es, nur zwei neue Reifen aufzuziehen?
Technisch ist das möglich, Continental und CHECK24 empfehlen aber, alle vier Reifen gleichzeitig zu ersetzen. Wird nur ein Reifen getauscht, sollte er dasselbe Profil haben wie der zweite Reifen derselben Achse.
Wie finde ich heraus, welche Reifen ich brauche?
Die zugelassene Größe steht im Fahrzeugschein, bei neueren Zulassungsbescheinigungen unter 15.1 und 15.2. Weitere zulässige Größen nennt das Übereinstimmungszertifikat des Herstellers, kurz CoC. Winterreifen müssen das Alpine-Symbol, ein Bergsymbol mit Schneeflocke, tragen.