Das Alpine-Symbol ist die maßgebliche Kennzeichnung für Reifen, die einen festgelegten Mindestnachweis ihrer Schneegriffigkeit erbracht haben. Es ist auf der Reifenflanke als Berg mit drei Gipfeln und Schneeflocke zu erkennen.
3PMSF steht für „Three-Peak Mountain Snowflake“, auf Deutsch sinngemäß „Dreigipfel-Berg mit Schneeflocke“. Das Symbol kennzeichnet einen Reifen, der nach der UN-Regelung Nr. 117 die Mindestanforderungen für den Einsatz unter extremen Schneebedingungen erfüllt. Es bestätigt eine standardisiert geprüfte relative Leistung auf Schnee, sagt aber weder eine umfassende Winterqualität noch eine bestimmte Leistung auf Eis, Nässe oder trockener Straße zu.
Wie sieht das Alpine-Symbol aus?
Das Zeichen besteht aus dem Umriss eines Berges mit drei Gipfeln, in dem eine Schneeflocke abgebildet ist. Deshalb werden die Bezeichnungen Alpine-Symbol und 3PMSF-Symbol für dieselbe Kennzeichnung verwendet. Die rechtlichen Regelwerke sprechen unter anderem vom Bergpiktogramm mit Schneeflocke beziehungsweise von drei Bergkuppen mit Schneeflocke.
Zu finden ist das Zeichen auf der Reifenflanke, also der seitlichen Wand zwischen Lauffläche und Felge. Dort steht es häufig in der Nähe weiterer Angaben zur Reifengröße, Tragfähigkeit, Höchstgeschwindigkeit oder Typgenehmigung. Bei der Kontrolle sollten alle montierten Reifen einzeln betrachtet werden, denn Vorder- und Hinterachse können verschiedene Modelle oder Ausführungen tragen.
Das Symbol kann zusätzlich auf dem EU-Reifenlabel erscheinen. Dieses Label informiert bei erfassten Reifen unter anderem über Rollwiderstand, Nasshaftung und externes Rollgeräusch. Für Reifen, welche die Mindestwerte der UN-Regelung Nr. 117 erreichen, sieht die Verordnung (EU) 2020/740 auch das Piktogramm zur Schneegriffigkeit vor. Für die deutsche Winterreifenregel ist die Kennzeichnung des Reifens selbst entscheidend.
Welchen Zweck hat 3PMSF?
Das Alpine-Symbol macht eine bestimmte Wintereigenschaft anhand eines einheitlichen Verfahrens überprüfbar. Ein Kandidatenreifen, also der zu bewertende Reifen, wird auf Schnee mit einem festgelegten Standard-Referenzreifen verglichen. Der Schneegriffigkeitsindex ist eine dimensionslose Verhältniszahl, welche die Leistung des Kandidaten relativ zu diesem Referenzreifen ausdrückt.
Die aktuelle UN-Regelung Nr. 117 bezeichnet entsprechend eingestufte Produkte als Reifen zur Verwendung unter extremen Schneebedingungen. „Extrem“ ist dabei eine technische Kategorie des Regelwerks und keine Vorhersage, dass der Reifen unter jedem denkbaren Winterzustand gleich gut funktioniert.
Das Verfahren schafft einen nachvollziehbaren Mindestnachweis. Ohne einen solchen Vergleich könnte eine bloße Winteraufschrift unterschiedliche, nicht unmittelbar vergleichbare Bedeutungen haben. Das Symbol hilft daher bei der rechtlichen Einordnung und bei der Vorauswahl, ersetzt aber keinen vollständigen Reifentest.
Wie wird die Schneegriffigkeit geprüft?
Anhang 7 der UN-Regelung Nr. 117 beschreibt Prüfverfahren auf einer vorbereiteten Schneefläche. Je nach Reifenklasse wird die Leistung beim Bremsen, bei der Drehtraktion oder beim Beschleunigen ermittelt. Traktion bedeutet hier, wie wirksam der Reifen Antriebskräfte auf die Schneefläche übertragen kann. Die Messwerte des Kandidatenreifens werden ins Verhältnis zu einem Standard-Referenzreifen gesetzt.
Für C1-Reifen, zu denen typische Reifen für Personenkraftwagen (PKW) gehören, nennt die Fassung der UN-Regelung Nr. 117 aus dem Jahr 2025 zwei mögliche Mindestwerte:
- Beim Verfahren der Bremsung auf Schnee muss der Schneegriffigkeitsindex mindestens 1,07 erreichen.
- Beim Drehtraktionsverfahren muss der Index mindestens 1,10 erreichen.
Der Reifen muss nicht beide Verfahren bestehen; die Regelung sieht die jeweils anwendbare Alternative vor. Vereinfacht bedeutet ein Index über 1,00, dass der Kandidatenreifen im festgelegten Prüfmerkmal besser abschneidet als der zugehörige Referenzreifen. Die Werte 1,07 und 1,10 dürfen jedoch nicht als pauschal sieben oder zehn Prozent kürzerer Bremsweg im Straßenverkehr verstanden werden. Prüfgröße, Referenz, Berechnung und kontrollierte Bedingungen sind genau definiert, während reale Straßen zusätzliche Einflüsse aufweisen.
Für C2- und C3-Reifen, etwa bestimmte Reifen leichter und schwerer Nutzfahrzeuge, gelten andere Verfahren und Mindestindizes. Die C1-Werte lassen sich deshalb nicht auf jeden Reifen übertragen.
Was sagt das Alpine-Symbol aus?
Das Symbol belegt, dass der betreffende Reifentyp die vorgeschriebene Mindestleistung in einem anerkannten Schneeprüfverfahren erreicht. Damit unterscheidet es sich von einer reinen Beschreibung des vorgesehenen Einsatzbereichs. Es ermöglicht außerdem, die in Deutschland gesetzlich verlangte Wintereignung anhand einer sichtbaren Kennzeichnung zu prüfen.
Die Aussage bezieht sich auf den genehmigten Reifentyp. Größe, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsausführung sowie weitere Varianten müssen zur Genehmigung und zum Fahrzeug passen. Das Zeichen auf einem einzelnen Reifen bestätigt nicht automatisch, dass alle anderen montierten Reifen ebenfalls geeignet sind.
Was sagt das Symbol nicht aus?
3PMSF ist kein allgemeines Qualitätssiegel und keine Rangliste. Zwei Reifen mit Alpine-Symbol können sich deutlich unterscheiden bei:
- Bremsen und Lenken auf nasser oder trockener Fahrbahn,
- Verhalten auf Eis,
- Widerstand gegen Aquaplaning, also dem Aufschwimmen des Reifens auf einer Wasserschicht,
- Rollwiderstand und Geräusch,
- Verschleiß und Leistung mit abnehmender Profiltiefe,
- Verhalten in unterschiedlichen Schneearten und Temperaturen.
Das Symbol bescheinigt insbesondere nicht automatisch eine gesondert geprüfte Eisgriffigkeit. Die aktuelle UN-Regelung kennt dafür ein eigenes Eisgriffigkeitssymbol und zusätzliche Anforderungen für bestimmte C1-Reifen. Alpine-Symbol und Eisgriffigkeitssymbol dürfen daher nicht gleichgesetzt werden.
Auch Alter, Zustand und korrekter Luftdruck bleiben wichtig. Ein beschädigter, stark abgefahrener oder falsch befüllter Reifen wird nicht dadurch sicher, dass seine Flanke das Alpine-Symbol trägt. Die Profiltiefe bezeichnet die Tiefe der Profilrillen; gesetzlich müssen beim PKW im maßgeblichen Hauptprofil mindestens 1,6 Millimeter vorhanden sein. Diese Grenze ist eine Mindestanforderung, keine Zusicherung unveränderter Schneeleistung bis zum letzten zulässigen Millimeter.
Welche Bedeutung hat das Symbol in Deutschland?
Nach § 36 Absatz 4 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) gehört das Alpine-Symbol zur Definition eines Reifens für winterliche Wetterverhältnisse. § 2 Absatz 3a Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) verlangt solche Reifen grundsätzlich an allen Rädern, wenn ein Kraftfahrzeug bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte gefahren wird. Die Pflicht ist also wetterabhängig und nicht an einen festen Jahreszeitraum gebunden.
Seit dem 1. Oktober 2024 reicht eine M+S-Kennzeichnung allein nicht mehr. Die Übergangsfrist für bis Ende 2017 hergestellte M+S-Reifen ist am 30. September 2024 abgelaufen. Diese Rechtslage betrifft das Fahren unter den genannten winterlichen Bedingungen; das Alpine-Symbol ist nicht pauschal an jedem Kalendertag vorgeschrieben.
Gilt 3PMSF auch für Ganzjahresreifen?
Ja. Ein Ganzjahresreifen kann das Alpine-Symbol tragen, wenn der Reifentyp die festgelegten Anforderungen erfüllt. Damit kann er die Kennzeichnungsvoraussetzung der deutschen situativen Winterreifenpflicht erfüllen. „Ganzjahresreifen“ ist eine Einsatz- oder Produktbeschreibung, während 3PMSF einen bestimmten technischen Mindestnachweis bezeichnet.
Das bedeutet nicht, dass alle Ganzjahresreifen dieselben Eigenschaften besitzen. Ebenso wenig sind alle Reifen mit Alpine-Symbol konstruktiv gleich: Laufflächenprofil, Mischung, Größenvariante und Abstimmung können sich unterscheiden. Wer zwischen Modellen entscheidet, sollte deshalb neben dem Symbol die passende Dimension, den Lastindex als Kennzahl der zulässigen Reifentragfähigkeit, den Geschwindigkeitsindex für die zulässige Reifengeschwindigkeit sowie unabhängige Tests in der exakten oder möglichst nahen Größe berücksichtigen.
Häufige Fragen
Sind Alpine-Symbol und 3PMSF dasselbe?
Ja. 3PMSF ist die englische Abkürzung für das Piktogramm mit drei Berggipfeln und Schneeflocke. Im deutschen Recht wird es als Alpine-Symbol beziehungsweise Bergpiktogramm mit Schneeflocke bezeichnet.
Wo finde ich das Alpine-Symbol?
Das Symbol ist in die Reifenflanke eingeprägt. Es sollte an jedem montierten Reifen geprüft werden, weil unterschiedliche Achsen oder Größenvarianten nicht automatisch dieselbe Kennzeichnung besitzen.
Garantiert 3PMSF gute Haftung auf Eis?
Nein. Das Alpine-Symbol beruht auf einer Prüfung der Schneegriffigkeit. Für Eisgriffigkeit bestehen ein anderes Piktogramm und eigene Anforderungen; zudem hängt reales Fahrverhalten von Zustand, Temperatur, Fahrbahn und Fahrweise ab.
Ist ein Reifen mit Alpine-Symbol automatisch ein Winterreifen?
Er ist technisch als Reifen für extreme Schneebedingungen eingestuft und erfüllt damit einen zentralen gesetzlichen Kennzeichnungsnachweis. Das Symbol kann sowohl auf saisonal angebotenen Winterreifen als auch auf Ganzjahresreifen stehen.
Haben alle Größen eines Reifenmodells das Symbol?
Das sollte für die konkrete Größe und Ausführung geprüft werden. Kennzeichnungen und Genehmigungen beziehen sich auf Reifentypen und Varianten; aus dem Symbol einer anderen Größe oder einem ähnlich benannten Modell lässt sich die Kennzeichnung des montierten Reifens nicht sicher ableiten.