Reifen altern auch dann, wenn das Fahrzeug nicht fährt. Wärme, Licht, Feuchtigkeit, Ozon und ungeeignete Chemikalien können das Material spröde machen oder die Form verändern. Eine sachgerechte Lagerung hält diese Belastungen klein und erleichtert die Kontrolle vor der nächsten Saison.
Vor dem Einlagern werden Reifen und Felgen gereinigt, vollständig getrocknet und auf Schäden, Fremdkörper und ungewöhnlichen Verschleiß geprüft. Reifen ohne Felgen stehen aufrecht und werden gelegentlich gedreht. Kompletträder lagern dagegen liegend gestapelt oder an einer geeigneten Halterung hängend.
Vor der Lagerung: Zustand und Position dokumentieren
Schmutz, Salz und Bremsstaub sollten mit Wasser, einer milden Reinigungslösung und einer weichen Bürste entfernt werden. Hochdruck darf nicht aus kurzer Entfernung auf Reifen oder Ventile gerichtet werden. Anschließend müssen Reifen und Felgen vollständig trocknen, bevor sie verpackt oder in einen geschlossenen Behälter gelegt werden.
Bei der Sichtprüfung geht es um Risse, Schnitte, Beulen, freiliegende Bestandteile, eingefahrene Fremdkörper und auffällige Abnutzung. Die Profiltiefe ist die Tiefe der maßgeblichen Profilrillen. Sie sollte an mehreren Stellen geprüft und zusammen mit dem Reifenalter notiert werden. Ein Reifen mit sicherheitsrelevantem Schaden oder zu wenig Profil gehört nicht für die nächste Saison eingelagert, sondern in fachliche Beurteilung oder Ersatz.
Vor der Demontage kann jede Position markiert werden, etwa mit VL für vorne links, VR für vorne rechts, HL für hinten links und HR für hinten rechts. So bleibt nachvollziehbar, an welcher Achse der Reifen gelaufen ist. Ein späterer Tausch zwischen den Achsen ist nur sinnvoll, wenn Fahrzeug, Reifen und Laufrichtung es erlauben; die Markierung ist daher eine Dokumentation und kein starres Montageprogramm.
Der richtige Lagerort
Geeignet ist ein Raum, der kühl, trocken, dunkel und möglichst gut belüftet ist. Direkte Sonne und andere UV-Quellen beschleunigen die Alterung. Auch starke Temperaturschwankungen, dauerhafte Feuchtigkeit und Wärme von Heizungen oder Warmwasserleitungen sind ungünstig.
Öl, Kraftstoff, Lösungsmittel, Farben, Streusalz und andere aggressive Stoffe sollten weder den Reifen berühren noch in unmittelbarer Nähe auslaufen können. Sie können die Oberfläche und die Materialstruktur angreifen. Scharfe Kanten oder Werkzeuge dürfen nicht auf die Reifen drücken.
Eine Garage oder ein Keller ist daher nicht automatisch geeignet oder ungeeignet. Entscheidend ist, ob der Raum tatsächlich trocken, vor Sonne geschützt und frei von starken Wärme- und Chemikalienquellen ist. Ein feuchter Keller mit Kondenswasser ist schlechter als eine trockene, dunkle Garage. Ein Dachboden scheidet häufig wegen großer Hitze und Temperaturschwankungen aus, kann unter guten Bedingungen aber trotzdem geeignet sein.
Die Reifen sollten nicht dauerhaft direkt auf feuchtem Beton liegen. Eine saubere, trockene Unterlage schafft Abstand zum Boden. Reifentaschen halten Schmutz vom Fahrzeug und vom Lagerraum fern; sie ersetzen aber keinen geeigneten Lagerort. Bei luftdichten Hüllen muss verhindert werden, dass feuchte Reifen eingeschlossen werden.
Reifen ohne Felgen richtig lagern
Ein loser Reifen, also ein Reifen ohne Felge, wird aufrecht auf einer sauberen und trockenen Fläche abgestellt. So wirkt sein Gewicht nicht dauerhaft auf eine einzelne Seitenwand oder auf den Reifenwulst, den an der Felge anliegenden Reifenrand.
Mehrere lose Reifen sollten nicht monatelang übereinanderliegen. Auch Aufhängen an Haken oder Seilen ist ungeeignet, weil die Form belastet und der Reifen verformt werden kann. Ein Reifenbaum oder Regal mit ausreichend breiter, stabiler Auflage ist hilfreich, sofern jeder Reifen aufrecht steht und nicht eingeklemmt wird.
Bei längerer Lagerung werden lose Reifen alle paar Monate ein Stück weitergedreht. Dadurch verändert sich die belastete Stelle am Boden. Das ist eine einfache Vorsichtsmaßnahme gegen dauerhafte Druckstellen; schwere Gegenstände dürfen trotzdem nicht auf den Reifen stehen.
Kompletträder mit Felgen lagern
Bei einem Komplettrad sind Reifen und Felge miteinander verbunden. Das Gewicht der Felge verändert die geeignete Lagerposition: Kompletträder können liegend übereinandergestapelt oder an dafür ausgelegten Halterungen aufgehängt werden. Ein stabiler Felgenbaum hält die Räder mit Abstand und erleichtert den Zugriff.
Beim Stapeln sollte der Turm standsicher und nicht unnötig hoch sein. Die Auflageflächen müssen sauber und frei von scharfen Kanten sein. Eine Wandhalterung oder ein Felgenbaum ist besonders praktisch, aber kein Muss. Entscheidend ist, dass die Räder nicht kippen, gequetscht werden oder dauerhaft mit Feuchtigkeit in Kontakt stehen.
Der Luftdruck kann während der Lagerzeit langsam sinken. Für eingelagerte Kompletträder empfiehlt der ADAC, den Druck gegenüber der Fahrzeugvorgabe um etwa 0,5 bar zu erhöhen. Vor der Montage wird dieser Zwischenwert nicht übernommen: Jedes Rad muss am möglichst kalten Reifen wieder auf den für Fahrzeug, Achse und Beladung vorgeschriebenen Druck eingestellt werden. Die Fahrzeugangabe am Türrahmen, an der Tankklappe oder in der Bedienungsanleitung hat Vorrang.
Reifenbaum, Wandhalterung und Reifentaschen: Was ist wirklich nötig?
Ein Reifenbaum oder eine Wandhalterung schafft eine passende Auflage und spart Platz. Für Kompletträder sind beide Systeme vor allem dann hilfreich, wenn der Lagerraum klein ist. Bei losen Reifen muss der Reifenbaum ausdrücklich für stehende Lagerung vorgesehen sein; ein Haken zum Aufhängen ist dafür nicht geeignet.
Reifentaschen erleichtern Transport und schützen vor Schmutz. Sie verbessern die Lagerbedingungen aber nicht, wenn die Reifen in Sonne, Wärme oder Feuchtigkeit liegen. Komfortzubehör ist deshalb nachrangig gegenüber dem Raum und der richtigen Position.
Häufige Fehler und ihre Folgen
- Lagerung im Freien: Regen, Frost, UV-Strahlung und große Temperaturwechsel beschleunigen die Alterung.
- Sonniger Balkon: Auch unter einer Abdeckung kann die Wärme stark steigen; dauerhaftes Tageslicht bleibt eine Belastung.
- Neben der Heizung: Wärme und trockene, wechselnde Luftbedingungen fördern Materialalterung.
- Feucht eingelagert: Eingeschlossene Nässe kann Korrosion an der Felge und ungünstige Lagerbedingungen für den Reifen begünstigen.
- Lose Reifen aufgehängt: Die Seitenwand und der Reifenwulst werden ungleichmäßig belastet.
- Falscher Druck bei der Wiedermontage: Der Lagerdruck ist kein Fahrdruck. Nach der Montage muss die Fahrzeugvorgabe eingestellt werden.
Eine professionelle Einlagerung beim Reifenservice ist sinnvoll, wenn zu Hause ein geeigneter Raum fehlt oder die Räder beim Saisonwechsel ohnehin geprüft und montiert werden sollen. Vor der Übergabe sollten Zustand, Profiltiefe, Position, Reifengröße und gegebenenfalls der Luftdruck in einem Einlagerungsprotokoll festgehalten werden.
Check vor der Wiedermontage
Vor der nächsten Fahrt werden die Räder einzeln geprüft:
- Oberfläche, Flanken und Reifenwulst auf Risse, Schnitte, Beulen und Verformungen ansehen.
- Lauffläche nach Fremdkörpern absuchen und ungewöhnliche Abnutzung vergleichen.
- Profiltiefe an mehreren Stellen messen.
- Produktionsdatum anhand der letzten vier Ziffern der DOT-Kennzeichnung prüfen; sie nennen Produktionswoche und -jahr.
- Felgen auf Verformungen und Korrosion kontrollieren.
- Reifendruck am kalten Reifen auf die Fahrzeugvorgabe einstellen.
- Laufrichtung, Achszuordnung und RDKS-Anforderungen vor der Montage beachten.
RDKS steht für Reifendruckkontrollsystem. Bei Rädern mit direkten Sensoren kann nach einem Wechsel eine Erkennung oder Anlernung erforderlich sein. Die konkrete Vorgehensweise beschreibt die Bedienungsanleitung. Nach der Montage gehören außerdem eine kurze Funktionskontrolle und die Kontrolle auf ungewöhnliche Geräusche oder Vibrationen dazu.
Häufige Fragen
Darf ich Reifen ohne Felgen stapeln?
Für eine kurze Zwischenlagerung ist das weniger problematisch als bei einer mehrmonatigen Lagerung. Dauerhaft sollten lose Reifen aufrecht stehen und gelegentlich gedreht werden, weil Stapeln die Form ungleichmäßig belastet.
Kann ich Kompletträder hochkant lagern?
Kompletträder werden üblicherweise liegend gestapelt oder an geeigneten Halterungen aufgehängt. Eine stehende Lagerung ist nur sinnvoll, wenn die Konstruktion das Rad sicher trägt und Verformungen verhindert. Die Vorgaben des Reifen- oder Fahrzeugherstellers gehen vor.
Muss ich Reifen vor dem Einlagern in Säcke packen?
Nein. Taschen sind Komfort und Schutz vor Schmutz, aber keine Voraussetzung. Reifen müssen vor dem Verpacken trocken sein; eine Tasche verbessert keinen feuchten oder zu warmen Lagerort.
Ist eine Garage für Reifen immer geeignet?
Nur wenn sie trocken, dunkel, ausreichend kühl und frei von Öl, Kraftstoff sowie starken Wärmequellen ist. Eine feuchte oder dauerhaft aufgeheizte Garage kann die Reifen stärker belasten als ein anderer geeigneter Innenraum.