Sommerreifen bei Regen: Nasshaftung, Aquaplaning und richtiges Verhalten

Regen verändert die Bedingungen zwischen Reifen und Fahrbahn: Sommerreifen müssen auf nassem Asphalt Brems- und Lenkkräfte übertragen und gleichzeitig Wasser über ihre Profilrillen ableiten. Wie gut das gelingt, hängt vom Reifenmodell, seinem Zustand, der Profiltiefe, dem Luftdruck und der Fahrweise ab.

Dabei sind Nasshaftung und Aquaplaning zwei unterschiedliche Eigenschaften. Ein Reifen, der auf nasser Fahrbahn gut bremst, muss nicht automatisch hohe Reserven bei größeren Wassermengen bieten. Deshalb lohnt es sich, beide Aspekte getrennt zu betrachten.

Was bei Regen zwischen Reifen und Straße passiert

Die Lauffläche ist der profilierte Bereich des Reifens, der beim Rollen die Straße berührt. Ihre Längs- und Querrillen nehmen Wasser auf und leiten es aus der Aufstandsfläche ab – dem belasteten Kontaktbereich zwischen Reifen und Fahrbahn. Über diesen Kontakt werden Antriebs-, Brems- und Lenkkräfte übertragen.

Nasshaftung beschreibt, wie wirksam diese Kräfte auf feuchtem oder nassem Asphalt übertragen werden können.

Aquaplaning, auch Wasserglätte genannt, entsteht dagegen, wenn das Profil eine größere Wassermenge nicht schnell genug verdrängen kann. Vor dem Reifen bildet sich ein Wasserkeil, der direkte Kontakt zur Straße geht teilweise oder vollständig verloren. Lenk- und Bremskräfte können dann kaum noch übertragen werden.

Gute Ergebnisse beim Nassbremsen bedeuten deshalb nicht automatisch, dass ein Reifen auch in tiefem Wasser hohe Reserven besitzt.

Welche Faktoren das Aquaplaningrisiko beeinflussen

Ob und wann ein Reifen aufschwimmt, hängt von mehreren Faktoren ab. Mit steigender Geschwindigkeit muss er in kürzerer Zeit mehr Wasser verdrängen. Zusätzlich spielen Wasserhöhe, Fahrbahnbelag, Spurrillen und Reifenkonstruktion eine Rolle.

Breite Reifen müssen unter vergleichbaren Bedingungen tendenziell mehr Wasser ableiten als schmale. Entscheidend bleibt jedoch das Zusammenspiel aus Dimension und Reifenmodell.

Eine feste Aquaplaning-Geschwindigkeit gibt es daher nicht. Pfützen, Senken, Unterführungen und wassergefüllte Spurrillen können bereits bei geringerem Tempo kritisch werden. Auch elektronische Assistenzsysteme können fehlenden Kontakt zwischen Reifen und Fahrbahn nicht ausgleichen.

Profiltiefe

Die Profiltiefe ist der senkrechte Abstand zwischen Profilgrund und Laufflächenoberkante. Im Hauptprofil von PKW-Reifen sind gesetzlich mindestens 1,6 Millimeter vorgeschrieben.

Diese Verschleißgrenze ist jedoch kein Leistungsversprechen für Fahrten bei Regen. Mit abnehmender Profiltiefe schrumpft das Volumen der Rillen. Der Reifen kann dadurch weniger Wasser aufnehmen und ableiten.

Wenig Profil kann außerdem Bremswege und Seitenführung in Kurven beeinträchtigen. Besonders anspruchsvoll sind kombinierte Ausweich- und Bremsmanöver, weil der Reifen dabei gleichzeitig Kräfte in Längs- und Querrichtung übertragen muss. Bei ruhiger Geradeausfahrt kann sich das Fahrzeug dennoch zunächst unauffällig anfühlen.

Verschleißbild

Nicht nur die Restprofiltiefe ist relevant. Ungleichmäßig abgefahrene Bereiche können die Wasserableitung beeinträchtigen und auf falschen Luftdruck oder eine fehlerhafte Fahrwerkseinstellung hindeuten.

Das Profil sollte deshalb an mehreren Stellen über die gesamte Breite und den Umfang geprüft werden. Je nach Zustand und regelmäßigem Einsatz bei starkem Regen kann ein Reifenwechsel bereits vor Erreichen der gesetzlichen Mindestprofiltiefe sinnvoll sein.

Luftdruck

Sowohl zu niedriger als auch zu hoher Luftdruck verändert die Form der Aufstandsfläche und damit die Wasserverdrängung.

Maßgeblich ist der vom Fahrzeughersteller für Reifengröße und Beladung angegebene Wert. Einen pauschal passenden Luftdruck für alle Fahrzeuge gibt es nicht.

Wie sich die Nässeeigenschaften eines Sommerreifens beurteilen lassen

Sommerreifen können sich bei Nässe deutlich unterscheiden. Laufflächenmischung, Profil und Konstruktion wirken dabei zusammen. Allein die Anzahl oder Breite der Profilrillen lässt daher nicht erkennen, wie gut ein Reifen bremst, durch Kurven fährt oder Wasser verdrängt.

Unabhängige Reifentests

Unabhängige Reifentests untersuchen verschiedene Eigenschaften getrennt, beispielsweise:

  • Nassbremsen
  • nasses Handling
  • Aquaplaning in Längsrichtung
  • Aquaplaning in Querrichtung

Die Ergebnisse sind vor allem für das getestete Reifenmodell in der jeweiligen Dimension aussagekräftig.

EU-Reifenlabel

Das EU-Reifenlabel ordnet die Nasshaftung eines Reifens auf einer Skala von A bis E ein. Die Einstufung basiert auf einem festgelegten Verfahren zur Nassbremsleistung.

Das Label bildet jedoch nicht sämtliche Eigenschaften eines Reifens ab. Aquaplaning und Kurvenverhalten sowie Trockenleistung, Verschleiß und Alterung werden dadurch nicht vollständig berücksichtigt.

Für die Reifenauswahl kann es deshalb sinnvoll sein, die Angaben des Labels durch einen unabhängigen Test der benötigten oder einer vergleichbaren Dimension zu ergänzen.

Vor und während der Fahrt bei Regen

Vor der Fahrt sollten Scheibenwischer, Beleuchtung, Profiltiefe und Luftdruck geprüft werden.

Bei Regen helfen ein deutlich geringeres Tempo, mehr Abstand sowie gleichmäßige Lenk-, Brems- und Beschleunigungsbewegungen. Vor Kurven und sichtbaren Wasseransammlungen sollte möglichst früh und bei gerader Fahrtrichtung verzögert werden.

Eine leichter wirkende Lenkung, auffällige Wassergeräusche oder nachlassende Spurtreue können auf beginnendes Aquaplaning hinweisen.

Wird die Sicht trotz Scheibenwischer zu schlecht oder steht großflächig Wasser auf der Straße, ist eine Pause an einem geeigneten Ort außerhalb der Fahrbahn angebracht. Ohne Notfall sind der Autobahnseitenstreifen und der Bereich unter Brücken keine geeigneten Halteplätze.

So reagieren Sie bei Aquaplaning

Schwimmt der PKW auf, sollte das Gas behutsam weggenommen werden. Das Lenkrad ruhig und möglichst gerade halten und hektische Brems- oder Lenkmanöver vermeiden.

Das gilt auch in einer Kurve. Ein stark eingeschlagenes Lenkrad kann den PKW abrupt versetzen, sobald die Reifen wieder greifen.

Bei einem Automatikgetriebe die Fahrstufe nicht wechseln. Sobald die Reifen wieder Kontakt zur Fahrbahn haben, lässt sich das Tempo kontrolliert weiter verringern.

Häufige Fragen zu Sommerreifen bei Regen

Eignen sich Sommerreifen grundsätzlich für Regen?

Ja. Nasse Straßen gehören zum Einsatzbereich von Sommerreifen. Wie sich ein Reifen dabei verhält, hängt jedoch unter anderem vom konkreten Modell, seinem Zustand, der Profiltiefe, dem Luftdruck und der angepassten Geschwindigkeit ab. Die Bezeichnung „Sommerreifen“ allein garantiert keine gute Nassleistung.

Ab welcher Geschwindigkeit entsteht Aquaplaning?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Ein Reifen kann bereits bei vergleichsweise niedrigem Tempo in tiefem Wasser aufschwimmen, während er unter anderen Bedingungen bei höherem Tempo noch Kontakt zur Fahrbahn hält.

Reichen 1,6 Millimeter Profiltiefe bei Starkregen?

Die gesetzlich vorgeschriebenen 1,6 Millimeter sind eine rechtliche Untergrenze und keine Empfehlung für optimale Regenleistung. Mit abnehmender Profiltiefe steht weniger Raum zur Aufnahme und Ableitung von Wasser zur Verfügung. Je nach Einsatz und Zustand kann deshalb ein früherer Reifenwechsel sinnvoll sein.

Sollte man bei Aquaplaning stark bremsen?

Nein. Solange der direkte Kontakt zur Fahrbahn fehlt, können Bremskräfte kaum übertragen werden. Beim Wiederkontakt kann ein hektisches Manöver den PKW destabilisieren. Stattdessen das Gas behutsam wegnehmen, ruhig lenken und bei einem Automatikgetriebe die Fahrstufe nicht wechseln.

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