Beim Reifenkauf gibt es zwei grundsätzliche Möglichkeiten: Es werden nur neue Reifen gekauft und auf vorhandene Felgen montiert oder Reifen und Felgen werden gemeinsam als Kompletträder beziehungsweise Radsatz angeschafft. Welche Variante sinnvoller ist, hängt vor allem davon ab, welche Felgen bereits vorhanden sind und ob regelmäßig zwischen Sommer- und Winterreifen gewechselt wird.
Nur neue Reifen sind häufig die richtige Wahl, wenn bereits geeignete Felgen vorhanden sind. Das gilt insbesondere für Autofahrer, die bereits zwei vollständige Felgensätze für Sommer- und Winterreifen besitzen und lediglich verschlissene Reifen ersetzen müssen. Auch bei Ganzjahresreifen reicht in der Regel ein Felgensatz aus, da kein saisonaler Wechsel zwischen Sommer- und Winterbereifung erforderlich ist.
Kompletträder sind dagegen vor allem dann interessant, wenn ein zusätzlicher Radsatz aufgebaut werden soll. Wer beispielsweise bisher nur einen Felgensatz besitzt und künftig getrennte Sommer- und Winterräder nutzen möchte, kann mit einem zweiten Satz Kompletträder den saisonalen Wechsel vereinfachen.
Neben den Anschaffungskosten spielen deshalb auch Montagekosten, Lagerplatz und die technische Zulässigkeit der jeweiligen Rad-Reifen-Kombination eine Rolle.
Reifen, Rad und Komplettrad unterscheiden
Ein Reifen ist der elastische Teil, der auf einer Felge montiert wird. Ein Rad besteht im technischen Sinn aus Reifen und Felge. Im Handel bezeichnet der Begriff Komplettrad meist ein fertig montiertes und ausgewuchtetes Rad aus Reifen und passender Felge. Als Radsatz werden häufig vier zusammengehörige Kompletträder bezeichnet.
Wer nur Reifen kauft, benötigt daher geeignete Felgen, auf denen diese montiert werden können. Beim Kauf von Kompletträdern werden dagegen zusätzlich Felgen angeschafft. Je nach Fahrzeug und Felge können außerdem passende Befestigungsteile erforderlich sein.
Vor der Bestellung sollte deshalb nicht nur die Reifengröße, sondern auch geprüft werden, ob Felge, Reifen und Fahrzeug technisch zusammenpassen und die Kombination zulässig ist.
Wann nur neue Reifen sinnvoll sind
Der Kauf einzelner Reifen ist vor allem dann sinnvoll, wenn bereits passende Felgen vorhanden sind und kein zusätzlicher Felgensatz benötigt wird.
Typische Fälle sind:
- die vorhandenen Felgen sind technisch in Ordnung,
- lediglich das Reifenprofil ist verschlissen oder ein Reifen muss ersetzt werden,
- es sind bereits zwei Felgensätze für Sommer- und Winterreifen vorhanden,
- das Fahrzeug wird mit Ganzjahresreifen auf einem Felgensatz gefahren,
- es soll bewusst kein zusätzlicher Radsatz angeschafft werden.
Wer beispielsweise bereits Sommer- und Winterräder besitzt, muss beim nächsten Reifentausch normalerweise keine weiteren Felgen kaufen. Sind etwa die Winterreifen abgefahren, können einfach neue Winterreifen auf die vorhandenen Winterfelgen montiert werden.
Auch bei Ganzjahresreifen ist ein zusätzlicher Radsatz meist nicht erforderlich. Da dieselben Reifen ganzjährig gefahren werden, entfällt der regelmäßige Wechsel zwischen zwei Reifensätzen. Sind die Ganzjahresreifen verschlissen, genügt es daher üblicherweise, neue Reifen auf die vorhandenen Felgen aufziehen zu lassen.
Vor der Bestellung müssen die richtige Reifengröße sowie Last- und Geschwindigkeitsindex feststehen. Reifen und Felge müssen hinsichtlich Durchmesser, Felgenbreite und Ausführung zueinander passen.
Bei Allradfahrzeugen oder Fahrzeugen mit unterschiedlichen Reifengrößen an Vorder- und Hinterachse sind außerdem die Herstellervorgaben zur Achszuordnung und zum zulässigen Abrollumfang zu beachten.
Nachteil: Reifen müssen auf die Felgen montiert werden
Wer nur Reifen kauft, benötigt für die Reifenmontage eine Werkstatt beziehungsweise einen Reifenservice. Die alten Reifen werden von den Felgen abgezogen, die neuen Reifen montiert und anschließend ausgewuchtet.
Dieser Aufwand fällt allerdings in erster Linie beim eigentlichen Reifenwechsel an. Wer bereits zwei komplette saisonale Radsätze besitzt, muss nicht bei jedem Wechsel zwischen Sommer und Winter die Reifen von den Felgen ziehen lassen. Stattdessen werden lediglich die bereits montierten Räder am Fahrzeug gewechselt.
Problematischer ist die Nutzung nur eines Felgensatzes für zwei saisonale Reifensätze: In diesem Fall müssen Sommer- und Winterreifen tatsächlich zweimal jährlich auf dieselben Felgen auf- beziehungsweise abgezogen werden. Hier kann ein zweiter Satz Kompletträder langfristig praktischer sein.
Wann Kompletträder sinnvoll sind
Kompletträder sind besonders interessant, wenn für eine zweite Saisonbereifung noch keine Felgen vorhanden sind.
Ein typisches Beispiel: Das Fahrzeug wird auf Sommerrädern ausgeliefert und soll im Winter mit Winterreifen gefahren werden. Statt die Winterreifen im Herbst auf die vorhandenen Felgen aufziehen und im Frühjahr wieder gegen Sommerreifen tauschen zu lassen, kann ein separater Winterradsatz angeschafft werden.
Danach werden beim Saisonwechsel nur noch die kompletten Räder gewechselt.
Ein eigener zweiter Radsatz kann sich insbesondere lohnen, wenn:
- regelmäßig zwischen Sommer- und Winterreifen gewechselt wird,
- bisher nur ein geeigneter Felgensatz vorhanden ist,
- das zweimal jährliche Auf- und Abziehen der Reifen vermieden werden soll,
- ausreichend Platz für die Lagerung des zweiten Radsatzes vorhanden ist,
- der Radwechsel gegebenenfalls selbst durchgeführt werden soll.
Kompletträder verursachen zunächst höhere Anschaffungskosten, da zusätzlich zu den Reifen vier Felgen benötigt werden. Dafür kann ein eigener Sommer- und Winterradsatz über mehrere Jahre genutzt werden.
Wer dagegen bereits zwei geeignete Felgensätze besitzt oder Ganzjahresreifen fährt, benötigt diesen zusätzlichen Vorteil in der Regel nicht. In diesen Fällen ist der Kauf neuer Reifen häufig ausreichend.
Die wichtigsten Vorteile von Kompletträdern
Weniger Montageaufwand beim Saisonwechsel
Bei zwei vollständigen Radsätzen müssen die Reifen beim Wechsel zwischen Sommer und Winter nicht jedes Mal von den Felgen demontiert werden. Stattdessen wird der komplette Satz Räder getauscht.
Das reduziert den Montageaufwand und vermeidet das regelmäßige Auf- und Abziehen der Reifen.
Wiederkehrende Montagekosten reduzieren
Wer Sommer- und Winterreifen auf nur einem Felgensatz nutzt, benötigt bei jedem Saisonwechsel eine Reifenmontage und in der Regel auch ein erneutes Auswuchten.
Mit zwei vollständigen Radsätzen entfällt dieser Arbeitsschritt. Kosten entstehen dann hauptsächlich für den eigentlichen Radwechsel, sofern dieser von einer Werkstatt durchgeführt wird.
Lagerung als vollständiger Radsatz
Reifen ohne Felgen werden üblicherweise stehend gelagert. Auf Felgen montierte Räder können dagegen liegend gestapelt oder beispielsweise auf einem Felgenbaum aufbewahrt werden.
Unabhängig von der Variante sollten Reifen kühl, trocken und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt gelagert werden. Weitere Hinweise bietet die Reifenlagerung mit und ohne Felgen.
Eigenständiger Radwechsel möglich
Mit einem separaten Satz Kompletträder lässt sich der Saisonwechsel grundsätzlich auch selbst durchführen. Dafür sind ein geeigneter Stellplatz, sicheres Werkzeug und Kenntnisse über die korrekte Montage erforderlich.
Insbesondere das vorgeschriebene Anzugsdrehmoment der Radschrauben beziehungsweise Radmuttern muss eingehalten werden. Wer dabei unsicher ist, sollte den Radwechsel einer Werkstatt überlassen.
Kosten über mehrere Saisons vergleichen
Ob einzelne Reifen oder ein zusätzlicher Satz Kompletträder wirtschaftlicher sind, lässt sich nicht allein anhand des Kaufpreises beurteilen. Entscheidend ist auch, welche Ausstattung bereits vorhanden ist.
Fall 1: Zwei Felgensätze sind bereits vorhanden
Sind bereits separate Felgen für Sommer- und Winterreifen vorhanden, werden bei verschlissenen Reifen normalerweise nur neue Reifen benötigt.
In diesem Fall entstehen beispielsweise Kosten für:
- vier neue Reifen,
- das Aufziehen der neuen Reifen auf den vorhandenen Felgensatz,
- Auswuchten und gegebenenfalls neue Ventile,
- spätere saisonale Radwechsel.
Neue Kompletträder würden hier zusätzlich vier Felgen umfassen, obwohl bereits geeignete Felgen vorhanden sind. Das ist in vielen Fällen nicht erforderlich.
Fall 2: Nur ein Felgensatz ist vorhanden
Wer Sommer- und Winterreifen verwenden möchte, aber nur einen Felgensatz besitzt, hat zwei Möglichkeiten.
Die beiden Reifensätze können zweimal jährlich auf denselben Felgen montiert werden. Dadurch entstehen regelmäßig Kosten für Demontage, Montage und Auswuchten.
Alternativ kann einmalig ein zweiter Satz Felgen beziehungsweise ein Satz Kompletträder angeschafft werden. Danach werden beim Saisonwechsel nur noch die vollständigen Räder gewechselt.
Über mehrere Jahre können sich die höheren Anschaffungskosten dadurch teilweise relativieren. Ob sich das finanziell lohnt, hängt von Felgenpreis, Werkstattkosten, Nutzungsdauer und Lagerung ab.
Fall 3: Ganzjahresreifen werden gefahren
Bei Ganzjahresreifen ist normalerweise nur ein Felgensatz erforderlich. Ein saisonaler Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen entfällt.
Sind die Reifen verschlissen, können deshalb einfach neue Ganzjahresreifen auf den vorhandenen Felgen montiert werden. Ein zusätzlicher Satz Kompletträder bietet in diesem Fall für den saisonalen Reifenwechsel keinen wesentlichen Vorteil.
Nur Reifen oder Kompletträder: Entscheidungshilfe
Eine einfache Frage erleichtert die Entscheidung: Werden zusätzliche Felgen benötigt?
Sind bereits geeignete Felgen für den neuen Reifensatz vorhanden, reichen meistens neue Reifen aus. Das betrifft insbesondere Fahrzeuge mit bereits vorhandenen Sommer- und Winterradsätzen sowie Fahrzeuge mit Ganzjahresreifen.
Fehlt dagegen ein zweiter Felgensatz und soll künftig regelmäßig zwischen Sommer- und Winterreifen gewechselt werden, können Kompletträder die praktischere Lösung sein.
Damit ergibt sich folgende Faustregel:
Vorhandene Felgen weiterverwenden → nur Reifen kaufen.
Zusätzlichen saisonalen Radsatz aufbauen → Kompletträder prüfen.
Die technische Eignung und Zulässigkeit der jeweiligen Reifen-Felgen-Kombination muss unabhängig davon immer beachtet werden.
Selbst montieren oder Werkstatt beauftragen?
Kompletträder lassen sich einfacher am Fahrzeug wechseln als einzelne Reifen auf einer Felge. Das eigentliche Aufziehen eines Reifens auf die Felge sowie das Auswuchten erfordern spezielle Maschinen und sollten von einem Fachbetrieb durchgeführt werden.
Der Wechsel eines vollständigen Rades kann dagegen grundsätzlich auch selbst erfolgen. Dafür werden ein geeigneter Wagenheber, eine sichere Abstützung und passendes Werkzeug benötigt.
Radschrauben beziehungsweise Radmuttern müssen nach Herstellervorgabe angezogen werden. Nach der Montage sollten außerdem korrekter Sitz, gegebenenfalls die Laufrichtung der Reifen und der Reifendruck kontrolliert werden.
Der Reifendruck richtet sich nach den Fahrzeugvorgaben und kann je nach Beladung variieren. Wer den Zustand der Räder oder die korrekte Montage nicht sicher beurteilen kann, sollte eine Werkstatt beauftragen.
Praxisbeispiel: Reifen und Kompletträder bei CHECK24
Wer Reifen oder Kompletträder kaufen möchte, kann bei CHECK24 beide Varianten bequem vergleichen. Besonders hilfreich ist die fahrzeugbezogene Suche, mit der sich passende Angebote schnell eingrenzen lassen. So lässt sich einfach prüfen, ob nur neue Reifen benötigt werden oder ein kompletter Radsatz sinnvoller ist. Auf Wunsch kann direkt eine Montage bei einer Partnerwerkstatt hinzugebucht werden. Damit eignet sich CHECK24 besonders gut, um Auswahl, Preise und Montage in einem Schritt zu vergleichen und den Reifenkauf unkompliziert abzuwickeln.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Reifen und Kompletträdern?
Ein Reifen ist nur der elastische Teil, der auf eine Felge montiert wird. Ein Komplettrad besteht aus Reifen und Felge und wird im Handel häufig bereits montiert und ausgewuchtet angeboten.
Wer bereits geeignete Felgen besitzt, benötigt beim nächsten Reifenwechsel deshalb nicht automatisch neue Kompletträder.
Wann sollte ich nur Reifen statt Kompletträder kaufen?
Nur Reifen reichen meist aus, wenn geeignete Felgen bereits vorhanden sind. Das gilt insbesondere, wenn bereits separate Sommer- und Winterfelgen vorhanden sind oder das Fahrzeug mit Ganzjahresreifen auf einem Felgensatz gefahren wird.
Ein zusätzlicher Satz Kompletträder ist eher sinnvoll, wenn für einen zweiten saisonalen Reifensatz noch keine Felgen vorhanden sind.
Lohnen sich Kompletträder trotz vorhandener Felgen?
In der Regel besteht wenig Anlass, zusätzliche Felgen zu kaufen, wenn für den benötigten Reifensatz bereits geeignete und technisch einwandfreie Felgen vorhanden sind.
Anders kann es aussehen, wenn bewusst ein weiterer Radsatz aufgebaut werden soll, beispielsweise für eine andere saisonale Bereifung oder eine andere zulässige Rad-Reifen-Kombination.
Brauche ich bei Ganzjahresreifen Kompletträder?
Für Ganzjahresreifen ist normalerweise kein zweiter saisonaler Radsatz erforderlich. Sind geeignete Felgen vorhanden, können verschlissene Ganzjahresreifen einfach ersetzt und auf diesen Felgen montiert werden.
Werden Kompletträder fertig montiert geliefert?
Viele Anbieter liefern Kompletträder bereits auf die Felgen montiert und ausgewuchtet. Vor der Bestellung sollte geprüft werden, ob die Kombination für das jeweilige Fahrzeug geeignet und zulässig ist und welche Teile im Lieferumfang enthalten sind.
Vor der ersten Fahrt muss außerdem der Reifendruck entsprechend den Fahrzeugvorgaben kontrolliert werden.
Sind Kompletträder langfristig günstiger?
Nicht automatisch. Kompletträder verursachen zunächst höhere Anschaffungskosten, weil zusätzlich Felgen gekauft werden.
Besonders interessant können sie sein, wenn bisher nur ein Felgensatz vorhanden ist und zweimal jährlich zwischen Sommer- und Winterreifen gewechselt wird. Dann können die wiederkehrenden Kosten für das Auf- und Abziehen der Reifen entfallen.
Wer bereits zwei Felgensätze besitzt oder Ganzjahresreifen fährt, benötigt dagegen meist nur neue Reifen.
Kann ich Kompletträder selbst am Auto montieren?
Ein Radwechsel ist mit geeignetem Werkzeug und sicherer Arbeitsweise grundsätzlich möglich. Befestigung, Anzugsdrehmoment und Reifendruck müssen dabei den Vorgaben des Fahrzeugherstellers entsprechen.
Das Aufziehen einzelner Reifen auf eine Felge und das anschließende Auswuchten erfordern dagegen Fachausrüstung. Wer bei der Montage oder beim Zustand der Räder unsicher ist, sollte eine Werkstatt beauftragen.