Mischbereifung am Auto: Unterschiedliche Reifengrößen vorne und hinten

Umgangssprachlich spricht man von Mischbereifung, wenn an Vorder- und Hinterachse unterschiedliche Reifengrößen montiert sind. Typisch ist beispielsweise eine schmalere Dimension vorne und ein breiterer Reifen hinten.

Eine solche Kombination ist nur zulässig, wenn sie für das konkrete Fahrzeug vorgesehen ist. Es reicht nicht, zwei einzeln passende oder zugelassene Reifengrößen miteinander zu kombinieren. Gerade bei Elektroautos spielen neben der Dimension auch Achslasten, Drehmoment, Tragfähigkeit und Energieeffizienz eine wichtige Rolle.

Rechtlicher Hinweis: Im engeren rechtlichen Sinn meint Mischbereifung häufig die unzulässige Kombination von Radial- und Diagonalreifen. § 36 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) verlangt bei einem PKW grundsätzlich entweder ausschließlich Radial- oder ausschließlich Diagonalreifen. Dieser Ratgeber behandelt vor allem unterschiedliche Reifendimensionen an Vorder- und Hinterachse.

Was bedeutet Mischbereifung und warum wird sie eingesetzt?

Bei einer Mischbereifung unterscheiden sich die Dimensionen an Vorder- und Hinterachse. Ein Beispiel wäre 245/45 R18 an der Vorderachse und 255/45 R18 an der Hinterachse. Die erste Zahl gibt die Reifenbreite in Millimetern an, die zweite das Verhältnis von Flankenhöhe zu Breite. „R“ steht für Radialreifen, „18“ für den Felgendurchmesser in Zoll.

Auch die englischen Begriffe Staggered Setup oder Staggered Fitment beschreiben dieses Prinzip. Häufig fällt die Hinterachsbereifung breiter aus, damit sie hohe Antriebskräfte übertragen oder die gewünschte Fahrdynamik unterstützen kann.

Vorder- und Hinterachse erfüllen beim Fahren unterschiedliche Aufgaben. Die Vorderreifen setzen Lenkbewegungen um und übertragen beim Einlenken Seitenkräfte. Bei einem Frontantrieb kommen dort zusätzlich die Antriebskräfte hinzu.

Die Hinterachse übernimmt je nach Antriebskonzept einen großen Teil der Traktion beim Beschleunigen. Eine größere Aufstandsfläche kann an einer stark belasteten oder angetriebenen Achse helfen, mehr Kraft auf die Straße zu bringen. Breiter bedeutet allerdings nicht automatisch besser.

Auch für die Abstimmung des Fahrverhaltens nutzen Hersteller unterschiedliche Dimensionen. Reifenbreite und Reifencharakteristik beeinflussen unter anderem, wie ein Fahrzeug auf Lenkbewegungen reagiert und wie stark es zum Unter- oder Übersteuern neigt. Besonders bei leistungsstarken Fahrzeugen kann eine breitere Hinterachse dabei helfen, Motorleistung und Drehmoment kontrolliert zu übertragen.

Besonderheiten bei Elektroautos

Elektroautos bringen durch ihre Antriebsbatterie häufig ein höheres Fahrzeuggewicht mit. Entsprechend steigen bei vielen Modellen die Rad- und Achslasten. Gleichzeitig stellen Elektromotoren ihr hohes Drehmoment sehr schnell bereit, was die Reifen beim Beschleunigen besonders fordert.

Die Bereifung muss daher mehrere Anforderungen miteinander verbinden: ausreichende Tragfähigkeit, gute Haftung, kontrollierbare Kraftübertragung und möglichst niedrigen Rollwiderstand. Bei Heck- oder Allradantrieb kann eine breitere Hinterachse Teil dieser Fahrzeugabstimmung sein.

Mischbereifung gehört trotzdem nicht grundsätzlich zu einem Elektroauto. Viele Modelle fahren an allen vier Rädern dieselbe Größe. Welche Auslegung passt, hängt vom konkreten Fahrzeug, seinem Antrieb, Fahrwerk, seiner Leistung und den vorgesehenen Rad-Reifen-Kombinationen ab.

Mehr zu den besonderen Anforderungen findest du im Ratgeber Reifen für Elektroautos richtig auswählen.

Nicht im Mittelpunkt dieses Artikels stehen Kombinationen verschiedener Reifenmarken oder Profile, Sommer- und Winterreifen auf unterschiedlichen Achsen sowie Radial- und Diagonalreifen. Auch solche Konstellationen werden umgangssprachlich teilweise als Mischbereifung bezeichnet, unterliegen jedoch anderen technischen und rechtlichen Regeln.

Welche Vorteile und Nachteile hat Mischbereifung?

Eine auf das Fahrzeug abgestimmte Mischbereifung kann mehrere Vorteile bieten:

  • Eine breitere oder höher belastbare Hinterachsbereifung kann die Traktion beim Beschleunigen verbessern.
  • Hohe Motorleistung und hohes Drehmoment lassen sich gezielter auf die Straße übertragen.
  • Vorder- und Hinterachse können unterschiedlich auf Lenkpräzision, Stabilität und Fahrdynamik abgestimmt werden.
  • Bei bestimmten Fahrzeugen verbindet das Konzept eine präzise Vorderachse mit einer besonders stabilen Hinterachse.

Ob diese Vorteile tatsächlich entstehen, hängt jedoch vom Gesamtfahrzeug ab. Reifen, Felgen, Fahrwerk, Luftdruck und elektronische Regelsysteme müssen als System zusammenpassen. Ein breiterer Reifen ist deshalb nicht automatisch sicherer oder fahrdynamisch besser.

Nachteile im Alltag

Im Alltag fällt vor allem auf, dass sich Vorder- und Hinterreifen bei unterschiedlichen Größen nicht beliebig tauschen lassen. Eine Rotation von vorne nach hinten scheidet meist aus. Dadurch gibt es weniger Möglichkeiten, ungleichmäßigen Verschleiß über die Laufzeit auszugleichen.

Auch der Reifenkauf wird etwas aufwendiger: Für beide Achsen müssen die jeweils passenden Größen bestellt werden. Ersatzreifen können unterschiedlich teuer oder nicht gleichermaßen gut verfügbar sein. Größere und breitere Rad-Reifen-Kombinationen kosten zudem häufig mehr und können bei niedrigerer Reifenflanke den Fahrkomfort beeinflussen.

Einfluss auf Stromverbrauch und Reichweite

Beim Elektroauto kommt die Energieeffizienz als weiterer Faktor hinzu. Reifen mit höherem Rollwiderstand benötigen beim Fahren mehr Energie. Breitere oder schwerere Rad-Reifen-Kombinationen können außerdem Roll- und Luftwiderstand beeinflussen und dadurch den Stromverbrauch erhöhen.

Eine größere Reifenbreite führt allerdings nicht automatisch zu einer deutlich geringeren Reichweite. Auch Reifenkonstruktion, Karkasse, Gummimischung, Gewicht, Aerodynamik, Felge und Luftdruck beeinflussen das Ergebnis.

Hersteller stimmen diese Faktoren deshalb gemeinsam auf das Fahrzeug ab. Wer eigenmächtig eine schmalere oder breitere Kombination montiert, nur weil sie technisch auf eine Felge passt, kann neben Verbrauch und Reichweite auch Fahrstabilität, Tragfähigkeit und Regelsysteme beeinflussen.

Entscheidend sind daher immer die vollständig vorgesehenen Rad-Reifen-Kombinationen. Wie du sie ermittelst, erklärt der Ratgeber Richtige Reifengröße finden – Schritt für Schritt.

Was ist bei Mischbereifung rechtlich und technisch zu beachten?

Darf ich vorne und hinten unterschiedliche Reifengrößen fahren?

Ja, wenn die konkrete Kombination für dein Fahrzeug zulässig ist. Hinweise findest du beispielsweise im CoC-Dokument (Certificate of Conformity beziehungsweise Übereinstimmungsbescheinigung), in der Betriebserlaubnis, den Fahrzeugunterlagen oder entsprechenden Herstellerangaben.

Die Zulassungsbescheinigung Teil I kann ebenfalls einen ersten Anhaltspunkt geben, enthält aber nicht zwingend sämtliche erlaubten Kombinationen. Die Reifenangaben in den Feldern 15.1 und 15.2 ersetzen deshalb nicht die vollständige Prüfung.

Neben der Reifengröße müssen auch Lastindex und Geschwindigkeitsindex passen. Besonders bei schweren Elektroautos können außerdem Vorgaben zu XL oder HL relevant sein. Diese Kennzeichnungen stehen für eine erhöhte beziehungsweise besonders hohe Tragfähigkeit.

Welche Dimensionen und Ausführungen tatsächlich verwendet werden dürfen, richtet sich immer nach dem konkreten Fahrzeug.

Kann ich Mischbereifung durch vier gleiche Reifen ersetzen?

Nicht ohne Weiteres. Eine sogenannte Square-Bereifung mit vier gleich großen Reifen kommt nur infrage, wenn diese Kombination für die jeweilige Fahrzeugausführung vorgesehen ist.

Bei einigen Modellen ist beispielsweise für den Winter ein separater Radsatz mit identischen Dimensionen an beiden Achsen möglich. Ob das bei deinem Fahrzeug gilt, zeigen die entsprechenden Unterlagen.

Dass Reifen und Felgen technisch montierbar sind, reicht allein nicht aus. Entscheidend sind die zugelassenen Reifengrößen und ihre jeweiligen Auflagen.

Was gilt im Winter?

Einige Fahrzeuge behalten auch mit Winterreifen unterschiedliche Dimensionen an Vorder- und Hinterachse. Andere dürfen im Winter mit einer einheitlichen und teilweise schmaleren Dimension fahren.

Schmalere Reifen können auf Schnee konstruktive Vorteile haben. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Winterreifen grundsätzlich schmaler oder an allen vier Rädern gleich groß sein sollten. Maßgeblich bleibt der für das konkrete Fahrzeug vorgesehene Winterradsatz.

Wer Schneeketten verwenden möchte, sollte zusätzlich prüfen, für welche Reifen- und Felgenkombinationen sie erlaubt sind.

Was gilt bei Allrad-Elektroautos?

Bei einem Allrad-Elektroauto werden Vorder- und Hinterachse angetrieben. Deshalb müssen die Abrollumfänge der Reifen zur Auslegung des Fahrzeugs passen.

Systeme wie ABS, ESP und der Allradantrieb arbeiten mit den Raddrehzahlen. Deutlich abweichende Dimensionen oder große Unterschiede beim Reifenverschleiß können ihre Regelung beeinflussen und den Antriebsstrang belasten.

Deshalb sollten weder andere Reifendimensionen noch stark unterschiedlich abgefahrene Reifen eigenmächtig kombiniert werden. Die Betriebsanleitung kann konkrete Vorgaben oder Grenzwerte enthalten.

Kommt es zu einem Reifenschaden, lohnt sich vor der Bestellung ein Blick in diese Angaben. Je nach Fahrzeug kann ein einzelner Ersatzreifen genügen oder der Austausch eines Achspaars beziehungsweise mehrerer Reifen erforderlich sein.

Wie wirkt sich Mischbereifung auf den Verschleiß aus?

Vorder- und Hinterreifen können unterschiedlich schnell verschleißen. Neben der Reifendimension beeinflussen auch Antriebskonzept, Fahrstil, Achsgeometrie, Luftdruck und Beladung den Abrieb. Bei Elektroautos kann das schnell verfügbare Drehmoment den Verschleiß an der angetriebenen Achse zusätzlich verstärken.

Kontrolliere die Profiltiefe deshalb an beiden Achsen regelmäßig. Der Ratgeber zur Profiltiefe erklärt, worauf du bei der Messung achten solltest.

Nicht jeder Verschleißunterschied bedeutet automatisch, dass alle vier Reifen gleichzeitig ersetzt werden müssen. Gerade bei Allradfahrzeugen oder engen Herstellervorgaben kann allerdings ein umfangreicherer Austausch nötig sein. Innerhalb einer Achse sollten die Reifen möglichst gleichartig sein und ausreichend Profil besitzen.

Worauf muss ich beim Reifenkauf achten?

Prüfe vor der Bestellung die Angaben für Vorder- und Hinterachse getrennt. Bei einer Mischbereifung könnte die Kombination beispielsweise so aussehen:

  • Vorderachse (VA): 245/45 R18 100Y XL
  • Hinterachse (HA): 255/45 R18 103Y XL

Achte außerdem auf:

  • Lastindex und Geschwindigkeitsindex, besonders bei schweren Elektroautos
  • vorgeschriebene XL-, HL- oder andere Tragfähigkeitskennzeichnungen
  • Herstellerangaben und mögliche Spezifikationen der Originalausstattung (OE)
  • Saison sowie bei Winter- oder Ganzjahresreifen das Alpine-Symbol mit Bergpiktogramm und Schneeflocke
  • korrekte Achszuordnung und Laufrichtung
  • passende Felge
  • vorgeschriebenen Luftdruck

Bestelle daher nicht automatisch vier Reifen derselben Größe, nur weil dein Fahrzeugmodell grundsätzlich mit dieser Dimension angeboten wird. Bei einer Mischbereifung können Vorder- und Hinterachse unterschiedliche Größen, Lastindizes oder weitere Vorgaben benötigen.

Konkretes Beispiel: Mischbereifung beim BMW i4

Der BMW i4 zeigt gut, warum die Modellbezeichnung allein für den Reifenkauf nicht ausreicht. Je nach Ausstattung und Radsatz können unterschiedliche Kombinationen vorgesehen sein.

Für einen offiziellen 18-Zoll-Winterradsatz wird beispielsweise folgende Kombination angegeben:

  • Vorderachse: 225/45 R18 95V XL
  • Hinterachse: 255/40 R18 99V XL

Die zuvor im Artikel verwendete Kombination 245/45 R18 vorne und 255/45 R18 hinten dient dagegen nur als allgemeines Beispiel. Sie stellt nicht automatisch eine zulässige Kombination für den BMW i4 dar.

Ob eine bestimmte Fahrzeugausführung rundum dieselbe Reifengröße oder eine Mischbereifung benötigt, lässt sich daher nur anhand der konkreten Ausstattung und der zugehörigen Fahrzeugunterlagen beurteilen.

Häufige Fragen

Ist Mischbereifung am Auto grundsätzlich erlaubt?

Unterschiedliche Reifengrößen an Vorder- und Hinterachse können zulässig sein, wenn die konkrete Kombination für das Fahrzeug vorgesehen ist. Zusätzlich müssen unter anderem Tragfähigkeit, Geschwindigkeitseignung, Felge und Achszuordnung passen.

Kann ich bei Mischbereifung die Reifen vorne und hinten tauschen?

Bei unterschiedlichen Dimensionen ist ein Wechsel zwischen Vorder- und Hinterachse normalerweise nicht möglich. Ob Reifen innerhalb derselben Achse getauscht werden können, hängt unter anderem von Laufrichtung und Herstellervorgaben ab.

Ist Mischbereifung bei Elektroautos besser?

Nicht grundsätzlich. Bei bestimmten Heck- oder Allradfahrzeugen kann sie Traktion und Fahrdynamik unterstützen. Gleichzeitig entstehen Nachteile bei Rotation, Kosten und je nach Rad-Reifen-Kombination auch bei der Effizienz. Viele Elektroautos sind deshalb rundum mit derselben Dimension ausgestattet.

Muss ich bei einem Elektroauto immer XL- oder HL-Reifen kaufen?

Nein. Entscheidend sind die Anforderungen des konkreten Fahrzeugs. Wenn XL, HL oder eine bestimmte Mindesttragfähigkeit vorgeschrieben ist, muss der Ersatzreifen diese Vorgabe erfüllen.

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